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Brahms mal ganz schlank begleitet

Wohl kaum ein anderes Chorwerk von Johannes Brahms ist so bekannt wie sein «Deutsches Requiem». Es wird meist mit vollem Orchester und gross besetztem Chor aufgeführt und wirkt nicht zuletzt durch vielerlei Klangfarben.
Wie anders ist die Version mit vierhändiger Klavierbegleitung, die von Brahms selber stammt. Hier kann der Chor all seine Facetten bestens ausloten, schlanker und wendiger agieren. Dies gelingt dem Vokalensemble Luzern ausgezeichnet. Hansjakob Egli versteht es, seinen Chor quasi wie eine Orgel in allen Registern einheitlich zu führen.
Das zeigt sich am Samstag im sehr gut besuchten KKL schon in den «Liedern der Nacht». Der Chor gestaltet die Gesänge von Morten Lauridsen (*1943) und Eric Whitacre (*1970) intonationssicher und homogen. Marc Hunziker begleitet stilsicher am Flügel; bei dem Lied von Imant Ramish mischt Cellistin Alexandra Schweighofer zarte Klänge bei.

Chor fast kammermusikalisch
In den sieben Teilen des Brahms-Requiems besticht die Begleitung von Marc Hunziker und Yvonne Lang durch Klarheit und Einfühlungsvermögen. Der Chor kann dazu fast kammermusikalisch musizieren; das zeigt sich im exquisiten Pianissimo ebenso wie in mühelosem Forte.
Besonders eindrucksvoll sind die dramatischen Steigerungen im zweiten Satz: «Denn alles Fleisch, es ist wie Gras» und danach der Übergang in das sanfte «So seid nun geduldig». Egli setzt Akzente, spürt den Texten intensiv nach und leitet seine starken Sänger exakt. In das schlanke Konzept passend, gestaltet der Bassist Patrick Oetterli seine Partie, mit guter Textverständlichkeit. Äusserst wirkungsvoll gelingt dem Chor das fragende «Herr, wes soll ich mich trösten?», um dann durch Hoffen zu strahlender Gewissheit zu kommen. In der langen Fuge am Ende des dritten Satzes wird der durchgehaltene Orgelpunkt im Klavier indes nicht so intensiv hörbar wie im Orchester.
Vorzüglich gelingt dem Chor der Wechsel zwischen Dramatik und Tröstlichkeit, zwischen Zupacken und sanfter Melodik. Die einfühlsamen Einwürfe im fünften Satz bewahren den intimen Charakter dieser Aufführung, indes die Sopranistin Ana Maria Labin mehr auf grossen Klang setzt. Mit bewundernswürdiger Ausdauer und bester Intonation bewältigen das Vokalensemble Luzern auch die viel Kraft fordernde Schilderung der Auferstehung; und das wieder ruhige, heikel offen liegende «Selig sind die Toten» verdeutlicht nochmals die hohe Qualität und Flexibilität des Chores. Die Zuhörer sind ergriffen.

Gerda Neunhoeffer, Neue Luzerner Zeitung