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Mehr als nur ein Bach

Das Vokalensemble Luzern bot nicht nur Klangschönheit, sondern auch originelle Kompositionen.

Aus der weit verzweigten Familie Bach hatte das Vokalensemble Luzern für das Konzert am Samstagabend in der Lukaskirche vier Komponisten herausgesucht, darunter natürlich Johann Sebastian Bach. Die verwandtschaftlichen Beziehungen der «Bäche» untereinander blieben unerwähnt.
Und aus den Lebensdaten ging nicht hervor, dass zwei der aufgeführten Komponisten Brüder waren, nämlich Johann Christoph (1642–1703) und Johann Michael (1648–1694) aus der Arnstädter Bach-Linie, also ebenso weitläufig mit dem berühmtesten Bach verwandt wie der Meininger Johann Ludwig. Wie gut aber alle die Kompositionskunst beherrschten, wurde an dem Abend eindrücklich demonstriert.

Vier Motetten von Johann Ludwig Bach (1677–1731) zeigten eine erstaunliche Bandbreite an musikalischen Einfällen. So wurde in «Wir wissen, so unser irdisches Haus» dieser Text vom ersten Chor jeweils zu dem Choral des zweiten Chores gesungen, eine Überlagerung von grosser Eindruckskraft. Die Sängerinnen und Sänger gestalteten mit guter Textverständlichkeit und intonierten stets sauber, wobei aber der Sopran leider oft dominierte und in der Höhe etwas scharf und angestrengt klang.

Alle Motetten wurden von Hansjakob Egli klar dirigiert und sensibel vom Organisten Martin Heini und der Cellistin Alexandra Schweighofer begleitet. Sie spielte zwischendurch Teile aus Johann Sebastian Bachs Cello-Solo-Suiten, wobei sie in den schnellen Sätzen überzeugte – in den langsamen schwankte die Intonation.

Spezielle Raumwirkung
Den Cantus Firmus in «Fürchte dich nicht» von Johann Christoph Bach sangen einige Soprane von der vorderen Empore aus, was zu spezieller Raumwirkung führte. In Johann Michael Bachs doppelchöriger Motette «Halt, was du hast» gestaltete der kleinere Chor den Choral «Jesu meine Freude», während der zweite Chor andere Texte weich und klangschön dazu intonierte.

In der dritten Strophe vereinten sich beide Chöre und zeigten ihre Qualitäten vor allem in den leisen Wiederholungen. Am Ende triumphierte dann doch der grosse Johann Sebastian: Mit ausgewogener Registrierung spielte Martin Heini «Schmücke dich, o liebe Seele», und die Sänger zeigten im doppelchörigen «Ich lasse dich nicht» und in «Lobet den Herren alle Heiden», wie gut sie auch virtuose Koloraturen beherrschen. In der Zugabe, dem Choral aus «Herz und Mund und Tat und Leben» mit der bekannten wiegenden Begleitung, sang Hansjakob Egli selber mit.

Gerda Neunhoeffer, Neue Luzerner Zeitung