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Lobgesänge mit einer Prise Oper

Ein Abend voller Mendelssohn: Das Vokalensemble Luzern führte zusammen mit dem Orchester Santa Maria die zweite Sinfonie des deutschen Komponisten auf. Es gab einiges zu entdecken.

Von Felix Mendelssohn Bartholdy kennt man am ehesten den «Sommernachtstraum» und einige Lieder. Dass sich in seinem umfangreichen Oeuvre auch gewichtige Sinfonien finden, geht oft vergessen. Insbesondere die zweite Sinfonie «Lobgesang» ist im Konzertsaal selten zu hören.
Wobei hier der Gattungsbegriff strapaziert ist – der «Lobgesang» wird auch als Sinfoniekantate bezeichnet. Umso schöner, dass sich das Vokalensemble Luzern des Werks angenommen hat: Der Chor und das Orchester waren Protagonisten auf Augenhöhe, und drei Gesangssolisten boten individuelle Färbungen.
Nach Auszügen aus Mendelssohns Oratorium «Paulus» hob nach der Pause die ausladende, rein instrumentale Sinfonia zum «Lobgesang» an. Die drei Teile dieses Vorspiels nehmen fast die halbe Spieldauer des Werks in Anspruch und weisen Mendelssohn als geschickten Bach-Verehrer wie visionären Zukunftsmusiker aus.
Das Orchester Santa Maria, dessen Streicher-Kernbesetzung aus Amateuren und Musikstudierenden um Profis und Bläser ergänzt wurde, spielte seinen Part zuverlässig und engagiert. Bisweilen wäre ein etwas ausbalancierterer Streicherklang wünschenswert gewesen. Die Bläser, gerade das Blech, traten kompakt und sehr präsent in Erscheinung, während im Streichapparat die Randstimmen nicht selten die Überhand gewannen – obschon gerade in der kontrapunktischen Führung der Mittelstimmen Mendelssohns Bach-Affinität schön zu Gehör käme.

Eröffnungschor mit Ohrwurm-Qualitäten
Beim Eintritt des Chores in der zweiten Halbzeit spielte das Orchester eine nunmehr begleitende Rolle. Mit viel Verve intonierte das Vokalensemble Luzern den ersten Chor «Alles, was Odem hat». Die hymnische Melodie erklingt am Ende des Stücks erneut. Der Sopran glänzte mit leichten Höhen, der Alt intonierte hell und klar. Demgegenüber fielen die Männerregister etwas weniger prägnant auf, standen doch neben den 28 Frauen nur 16 Männer auf der Bühne.
Dennoch trieben Tenor und Bass das Geschehen mutig voran, und ihr Gesang kippte trotz zahlenmässiger Unterlegenheit nie in einen gepressten Klang. Dies ist sicher das Verdienst des Chorleiters und -gründers Hansjakob Egli, der den Klang weder im Chor noch im Orchester forcierte, sondern stets klar führte. Tenor Nino Aurelio Gmünder erweiterte das Spektrum vor allem in der Soloarie «Stricke des Todes» ins Opernhafte: Seine Emotionalität berührte. Sopranistin Maria Bernius gefiel mit reiner Intonation und Textverständlichkeit. Als sie Gmünders Frage «Hüter, ist die Nacht bald hin?» mit einem engelhaften «Die Nacht ist vergangen!» replizierte, hielten alle den Atem an. In der Sopran-Doppelarie «Ich harrete des Herrn» übernahm Dorothea Frisch den zweiten Part und harmonierte wunderbar mit Bernius.

Katharina Thalmann, Neue Luzerner Zeitung